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Sprüche 17,22
Ein fröhliches Herz tut dem Leibe wohl.
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Abschiedspredigt von Hans-Peter Naumann am 1. Advent 2007 PDF Drucken E-Mail
Predigt am 1. Advent 2007
Abschied in Ende
Nehemia 8, 9-12

Liebe Gemeinde!

Wir feiern heute ein Fest. Es ist ein Fest des neuen Aufbruchs, ein Fest zu Beginn des neuen Kirchenjahres.
Wir stehen auf der Schwelle zu einer neuen Zeit.
Wir singen Lieder und hören Geschichten, die von dem erzählen, was kommen wird.
Das Thema des Advent ist: Gott kommt in diese Welt und wir sind eingeladen, uns darauf vorzubereiten, eingeladen, unser Leben zu bedenken und vielleicht zu ändern.
Wir feiern also ein Fest, in dem es nicht, wie beim Hochzeitsfest, in erster Linie um die pure Freude und Lust am Leben geht, sondern ein Fest, in das sich auch nachdenkliche und besinnliche Töne mischen können und auch sollen.

Wer auf der Schwelle steht, ist nicht nur erfüllt von der Freude auf das Neue, sondern sein Herz ist auch voll von Unsicherheit: Was wird kommen? Und er sieht zurück auf den zurückgelegten Weg:
Wie war es? Was war gut? Was kann und soll anders oder auch besser werden?
Mit wem war ich unterwegs? Wem bin ich was schuldig geblieben und wem habe ich was zu verdanken?

Das sind die Gedanken und Gefühle, die den Menschen bewegen, der ein Fest feiert auf der
Schwelle zur neuen Zeit.

Liebe Gemeinde, zu unserem Fest kommt heute hinzu, dass wir Abschied feiern, Ihr und ich.
Nicht nur das gemeinsam verbrachte Kirchenjahr geht zuende, sondern auch die gemeinsam gelebte Zeit hier in dieser Gemeinde in Ende. Und so sind die Gedanken und Gefühle hin und hergerissen zwischen Dankbarkeit und Schmerz, Hoffnung und Ungewissheit.

Es geht in Eurem und meinem Inneren also so zu, wie es eben zugeht beim Fest auf der Schwelle.

Am 5. September 1993 haben wir hier meine Einführung gefeiert. Im zarten Alter von 31 Jahren stand ich hier vor Euch und hielt meine Predigt. Ich wusste nicht, wo ich mich hinstellen sollte dazu. Auf dieser hohen Kanzel über Euren Köpfen war von Anfang an nicht mein Platz. Hier an dieser Stelle stand ein altes klappriges Lesepult, das ständig zusammenzuklappen drohte. So entschied ich mich für den Platz vor dem Altar. Es hat lange gebraucht, bis ich meinen Ort hier bei euch gefunden hatte. Dieses wunderbare Pult haben wir bauen lassen mithilfe eine großzügigen Spende. Heute stehe ich voller Dankbarkeit hier und freue mich daran, meinen Platz hier bei Euch gehabt zu haben.
Damals hatte ich folgenden Predigttext gewählt:

Aus dem Buch Nehemia, 8. Kapitel.

Und Nehemia, der aStatthalter, und Esra, der Priester und Schriftgelehrte, und die Leviten, die das Volk unterwiesen, sprachen zu allem Volk: Dieser Tag ist heilig dem HERRN, eurem Gott; darum seid nicht traurig und weinet nicht! Denn alles Volk weinte, als sie die Worte des Gesetzes hörten. 10Darum sprach er zu ihnen: Geht hin und eßt fette Speisen und trinkt süße Getränke und sendet davon auch denen, die nichts für sich bereitet haben; denn dieser Tag ist heilig unserm Herrn. Und seid nicht bekümmert; denn die Freude am HERRN ist eure Stärke. 11Und die Leviten trösteten alles Volk und sprachen: Seid still, denn der Tag ist heilig; seid nicht bekümmert! 12Und alles Volk ging hin, um zu essen, zu trinken und davon auszuteilen und ein großes Freudenfest zu machen; denn sie hatten die Worte verstanden, die man ihnen kundgetan hatte.

Diese Geschichte führt uns in eine Zeit, in der das Volk Israel auch hin- und hergerissen war. Eigentlich war alles Anlass gegeben sich zu freuen und dankbar zu sein. Denn die Rückkehr aus dem babylonschen Exil war gelungen, man war wieder versammelt an dem Ort, an dem die Vorfahren Gott angebetet hatte, man hatte seine Heinmat endlich wiedergefunden.
An dem Ort, an dem der Tempel gestanden hatte, hatte der Priester Esra den Menschen feierlich das Gesetz Gottes verlesen. Doch die Menschen waren so gerührt und ergriffen, dass sie weinten. Für Freude und Dankbarkeit schien kaum Platz zu sein in ihren Herzen.

Nein, sagen da Nehemia als Vertreter der weltlichen Macht und Esra als Vertreter der  geistlichen Leitung, nein, bitte nicht weinen und klagen:
Seht doch, was Gott an uns wunderbares vollbracht hat.

Und dann kommt der Satz der in meiner Bibel dick gedruckt ist und der damals, vor 14 ½ Jahren mir so wichtig war und es heute wieder ist: Seid nicht bekümmert, denn die Freude am Herrn ist eure Stärke!

Ich stehe heute mit euch auf der Schwelle, zum neuen Jahr und zu der Zeit, die wir ohne einander leben werden.

Das wichtigste für mich ist heute, mich zu bedanken.
Voller Dankbarkeit sehr ich zurück auf die Zeit hier in Ende.
In aller gebotenen Demut kann ich sagen, dass vieles gelungen ist, vieles aufgebaut wurde und ich eine blühende, lebendige Gemeinde verlasse.

Ich habe dazu meinen Teil beitragen dürfen. Ich bin Gott dankbar, dass er mir Gaben und Fähigkeiten geschenkt hat, die ich einbringen konnte und kann zum Wohl seiner Gemeinde.
Deshalb geht mein erster Dank an Gott, in dessen Hand ich mein Leben weiß.

Aber dann kommt auch schon ganz schnell der Dank an Euch, die Ihr mitarbeitet hier in der Gemeinde. Ohne Euer Mittun als haupt- neben und vor allem ehrenamtliche Mitarbeiterinnnen und Mitarbeiter wären alle meine Bemühungen fruchtlos geblieben.
Danke für Eure Unterstützung, für Eure Treue, Eure Liebe, eure Gebete und Eure Geduld mit mir. Ich weiß, dass es nicht immer leicht ist mit mir, dass ich Erwartungen nicht erfüllt habe und den einen oder die andere überfordert habe mit meiner Ungeduld.

Doch ein Tag wie dieser ist wie kein anderer geeignet, dass wir uns im Angesicht Gottes die Hände reichen, nicht nur zum Dank, sondern auch zur Vergebung für das, was wir Gott und was wir einander schuldig geblieben sind und bleiben werden.

Es gäbe noch so vieles zu sagen. In unser aller Interesse und angesichts der Tatsache, dass ein gedeckter Tisch auf uns wartet, will ich mich auf das Wichtigste beschränken:
Seid nicht bekümmert,denn die Freude am Herrn ist eure Stärke!    
Besser kann ich es nicht sagen, als es im Buch Nehemia steht.

Ich will ehrlich sein zu euch: Es hat mich sehr lange belastet, dass hier im Ender Tal viele das Empfinden hatten und auch teilweise noch haben, dass alles, was mit Kirche und Glauben zu tun hat, von einem großen Ernst geprägt sein muss. Für mich war und ist Glaube immer zuerst etwas fröhliches, positives, mutmachendes. Ich habe meine geistlichen Wurzeln in der Kindergottesdienstarbeit. Da ist es bunt und fröhlich. Ich weiß, dass das natürlich nur die eine Seite ist, dass Glaube auch Anfechtung kennt und der Seelsorger auch mitleiden können muss.
Aber es geht mir um die Grundfarben unseres Glaubens und dieses Ortes hier, an dem, wir unseren Glauben gemeinsam gelebt haben . Was ist unsere Stärke?

Warum stehen wir immer noch so oft um den Tisch des Herrn mit trauriger und ernster Miene und lassen so wenig davon spüren, dass wir doch gerade ein Fest feiern, ein Fest mit Jesus selbst?

Liebe Enderinnen und Ender, liebe Schwestern und Brüder!
Ihr seid eine wunderbare Gemeinde und ich war gern Euer Pfarrer.
Lasst euch heute am Tgag unseres Abschieds noch einmal zurufen:
Seid nicht bekümmert,denn die Freude am Herrn ist eure Stärke!
    
Bei allem gebotenen Ernst: lasst der Freude am Herrn, der Freude am Glauben mehr Platz unter euch.
Habt nicht so viel Angst, ihr könntet etwas falsch machen.
Gott wird schon dafür sorgen, dass sein Garten weiter grün bleibt.
Fragt nicht zuerst: Dürfen wir das?
Sondern fragt zuerst: Wollen wir das?
Was braucht diese Gemeinde?
Lasst Euch leiten nicht von der Furcht vor der Zukunft mit all ihren Unwägbarkeiten.
Lasst euch leiten von der Freude am Glauben.
Gebt dem Raum, was unter euch wachsen will.
Zeigt den jungen Menschen, dass es eine fröhliche Sache ist, mit Jesus unterwegs zu sein.
Nur dann werden sie wiederkommen.

Wir feiern heute ein Fest, ein Fest auf der Schwelle zum neuen Kirchenjahr, zu einer neuen Zeit.
Es ist die Zeit der Dankbarkeit und der Vergebung.
Es ist die Zeit der Freude aneinander und über das gemeinsam erreichte.

Am Ende der Geschichte am Ort des Tempels zur Zeit des Nehemia heißt es:

 Seid still, denn der Tag ist heilig; seid nicht bekümmert! 12Und alles Volk ging hin, um zu essen, zu trinken und davon auszuteilen und ein großes Freudenfest zu machen; denn sie hatten die Worte verstanden, die man ihnen kundgetan hatte.

Ich hoffe, dass der letzte Satz auch auf diese Predigt zutrifft und ich hoffe, dass nun das Fest mit Essen und Trinken weitergehen kann.

Wie schön, dass es euch gibt!
Gott behüte Euch!

Amen
Hans-Peter Naumann

 

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