Kennen Sie dies schon?

Jes 41,13
"Ich bin der Herr, dein Gott, der deine Hand fasst und zu dir spricht: Fürchte dich nicht, ich helfe dir."
 

Home arrow Gedanken arrow Das verlorene Schaf - "Probepredigt" von Pfr. Hofmann
Das verlorene Schaf - "Probepredigt" von Pfr. Hofmann PDF Drucken E-Mail

Am 8. Juni 2008 hielt Pfarrer Guido Hofmann seine "Probepredigt" in der Dorfkirche. Nach der "Probekatechese" am 10. Juni stimmte das Presbyterium dem Vorschlag des Landeskirche zu, ihn in die 1. Pfarrstelle zu wählen.
Wenn alles weitere klappt, werden wir am 31. August  seine Einführung feiern.

Hier ist seine Predigt aus dem Gottesdienst am 8. Juni zum Nachlesen!

Da sagte er zu ihnen dieses Gleichnis: Welcher Mensch unter euch, der hundert Schafe hat und eins von ihnen verliert, lässt nicht die 99 in der Wüste zurück und geht dem verlorenen nach, bis er es findet? Und wenn er es gefunden hat, legt er es voll Freude auf seine Schultern; und wenn er nach Haus kommt, ruft er seine Freunde und seine Nachbarn zusammen und sagt zu ihnen: Freuet euch mit mir! Denn ich habe mein Schaf gefunden, das verloren war. Ich sage euch: So wird im Himmel mehr Freude sein über einen Sünder, der Buße tut, als über 99 Gerechte, die der Buße nicht bedürfen. (LK 15,3-7)

Liebe Gemeinde hier in der Dorfkirche, liebe Schwestern und Brüder.
Ein Hirte verlässt 99 Schafe, um eines zu retten! Ich frage mich: Was passiert mit den 99 Schafen, während das eine gerettet wird? Wer sorgt dafür, dass sie nicht in die Irre gehen? Wer schützt sie vor wilden Tieren? Sind das die Regeln der Mathematik, wie Gott sie versteht: 99=1? Sind ihm 99 Schafe so viel wert wie ein Schaf? Möglich wäre das schon. Sind doch vor ihm auch 1000 Jahre wie ein Tag.

Wie ist diese Mathematik zu erklären? Meinen Kindern könnte ich das wie folgt erklären. Als wir im letzten Jahr von Norddeutschland mit Fahrrädern mit dem Zug wieder ins Ruhrgebiet fuhren, mussten wir 4 mal umsteigen. An den Bahnhöfen wurde es eng mit der Zeit: 5 beladene Fahrräder, 3 Kinder, Anhänger. Und während des Ausladens fängt es an zu Piepen, weil der Zug weiterfahren soll. Die Kleine steht schon draußen, während die Jungs und Eltern noch ausladen. Und es piept, die Türen schließen sich. Die Kleine steht auf dem Bahnhof und gerät in Panik. Ich will Sie beruhigen, wir haben es geschafft. Aber stellen wir uns vor, wir wären losgefahren und hätten durch die Scheibe unser verlorenes Kind gesehen. Da hätten wir doch nicht gesagt. Wir haben ja noch 2 andere Kinder. Alles hätten wir getan, um das eine wieder in die Arme schließen zu können. Uns wäre doch egal gewesen, ob wir den nächsten Anschluss verpassen oder was mit den Fahrrädern passiert. 1 = 4.

Die Gleichung 99=1 ist mir zugänglich, wenn ich sie vor dem Hintergrund solcher Erfahrung verstehe. Gern würde ich bei ihm Nachhilfestunden nehmen, um sie zu verstehen und selbst anzuwenden nicht nur auf meine Kinder, sondern jeden Tag. Stellen wir uns eine Gemeinde, eine Politik vor, die so funktionieren würde. Was würde dies für unser Profil und die Entscheidungen unserer Welt bedeuten?
Wie es aussehen kann, wenn der Hirte so tut, als ob es keine Verlorenen gäbe und es wohl kaum stört, solange es kein anderer merkt, sehen wir doch in manchem Krisengebiet der Erde. Ich nenne nur das Stichwort Birma.

Und wie funktionieren wir selbst?
Hier kommen wir zu einer tiefer gehenden Frage. Stimmt es wirklich, dass auf 99 gerechte Schafe ein verlorenes kommt? Ist das nicht unrealistisch? Ist es nicht vielmehr umgekehrt. Auf einen Gerechten kommen 99 Schurken? Auf ein behütetes Schaf kommen 99 verlorene Schafe? In der Tat. Es gibt doch so viele verlorene Schafe, dass man sie alle kaum benennen kann.

Da ist das verlassene Schaf. Es sagt: „Schon als Kind bin ich oft allein gelassen worden. Meine Eltern waren kaum da. Ich habe mich oft nach ihnen gesehnt, dass sie da sind und Zeit für mich haben. Aber was sollte ich machen? Ich wurde schließlich unsicher, ob sie überhaupt kämen.“ Liebe Gemeinde – es gibt unter uns viele solch verlassener Schafe. Mancher wartet sein Leben lang darauf, dass einer sich auf die Suche macht und sie in die Arme schließt, damit alles wieder gut wird. Davon spricht das Gleichnis. Dass einer kommt und das Schaf hochhebt, auf die Schulter nimmt und sich freut.
Es gibt Menschen, die Zeit Lebens leiden unter dieser Angst, verlassen und allein zu sein. Das Gleichnis spricht von Gott, der das überwinden will. Aber es spricht auch davon, dass einer umkehrt und dann im Himmel Freude ist über den, der umkehrt. Freude wird sein über einen, der selbst die Richtung ändert. Über einen, der zur Erkenntnis kommt: ich kann mein Leben ändern. Ich kann mein Schneckenhaus verlassen, ich suche Gemeinschaft, die mich erfüllt. Ich kann neue Erfahrungen machen.

Es gibt eine weitere Sorte verlorener Schafe. Es sind die verkannten, die verbitterten Schafe. Oft sind das sehr originelle Schafe. Sie haben es gewagt, abseits von der Herde zu grasen, sie haben Neuland betreten. Und wenn sie eine neue Idee hatten, haben sie auf die Herde geschaut, ob die Idee auch Bewunderung findet. Aber die Herde grast ruhig weiter. Ein Blöken vielleicht, ein höhnisches Meckern. Das verkannte Schaf denkt sich: „Diese Herde ist blöd, kurzsichtig, eingebildet, neidisch!“ Und dennoch sehnt sich dieses Schaf nach der Anerkennung der Herde.
Auch für diese Schafe spricht das Gleichnis von Freude und Umkehr. Freude für die anderen Schafe – nicht Schadenfreude, sondern wirkliche Freude, dass das andere Schaf wieder hinzukommt. Vielleicht ist die Freude der anderen Schafe über das eine besondere Schaf der Schlüssel dafür, dass sich das verkannte Schaf verändert. Anerkennung, die Fähigkeit zur Freude über das Besondere ist der Schlüssel zu wahrer Gemeinschaft. Ist das nur im Himmel möglich? Nein. Wir hoffen als Schafe, dass der Himmel auf Erden gezogen wird.

Schließlich gäbe es noch die Gruppe der verkommenen Schafe. Es sind jene, die in der Herde sind und die gleichen Ziele wie die Herde verfolgen, nur mit anderen Mitteln. Sie machen sich nur ihre eigenen Regeln. Der Zweck heiligt die Mittel. Da werden hehre Ziele formuliert: Umweltschutz, Arbeitsplatzsicherung. Und wie sieht die andere Seite aus? Lehre Versprechungen im Klimaschutz, Outsourcing als Firmenalltag. Ich will hier keine Klischees bedienen, aber das verkommene Schaf hat zwei Seiten. Es sagt dies und verfolgt eigentlich verdeckte eigene Ziele. Es macht viel Show mit nichts dahinter. Und es ist sich dessen mehr oder weniger bewusst. Was können wir diesen Schafen zurufen? Es ist mehr Freude im Himmel, wenn eines von ihnen umkehrt. Er freut sich mehr über einen, der es anders machen will als über 99 Selbstgerechte.

Also könnte doch die Frage lauten. Gibt es noch die guten Schafe? Sicher. Es gibt sie, aber es sind oftmals auch die überforderten Schafe. Überfordert über das Ausmaß von all dem, was zu tun wäre. Menschen können erstaunlich viel leisten. Aber überfordert sind diese Schafe, weil es oftmals wenig aufregend ist, was sie machen. Sie grasen halt vor sich hin, hören auf den Hirten und machen halt nichts Außergewöhnliches aufgrund von Verlassensein, Verkommensein oder Verkannt sein. Sie tun das Selbstverständliche, korrekt, zuverlässig, treu und manchem etwas zu langweilig.

Was folgt aus alldem? Es ist eine Lebenserfahrung, dass nicht nur auf ein verlorenes Schaf 99 andere kommen, sondern 99 verlorene auf ein rätselhaftes Schaf, das gefunden wurde.
Warum ist das so? Es könnte doch sein, dass es sehr einfach für ein Schaf ist, die Orientierung und Halt zu verlieren. Und wenn da nicht einmal die 99 Schafe um einen herum sind sondern das Schaf allein in seinem Gatter ist, ist es besonders schwer mit der Orientierung.
Mancher hat die Gewissheit verloren, dass wir in diesem Leben gehalten und bewahrt sind. Dass da einer ist, der uns auffängt, wenn wir denken, wir seien verlassen.
Und mancher hat die Maßstäbe verloren für das, was Gut und richtig ist. Klare Regeln, die ich für mich zur Geltung bringen will und die nicht nach Belieben zu verändern sind.
Das Leben ist Geschenk und Aufgabe zugleich. Wir haben das Leben nicht uns selbst geschenkt. Wir haben uns den Auftrag zu leben und die Erde zu gestalten nicht selbst gegeben. Du wirst geführt auf grüne Weiden und zu frischem Wasser. Du sollst aufstehen und die Erde gestalten, dass sie ein Lebensraum wird für alle, die rechts und links neben dir grasen. Und du sollst dich orientieren am Hirten. Wer das vergisst, der geht verloren in der einen oder anderen Weise.

Und damit kommen wir zu einem weiteren Aspekt der Geschichte. Wenn ich mich in die Lage der Herde hineinversetze, frage ich mich. Ist es eine Geschichte vom verlorenen Schaf oder eher um eine vom verlorenen Hirten? Dass ein Schaf in der Herde nicht mehr da ist, fällt ihnen wohl weniger auf. Aber dass der Hirte verschwunden war – das fällt auf! Das bringt die Herde in Schwierigkeiten.
Wie reagiert die Herde? Die einen Schafe sagen: Wir müssen uns nach was Besserem als nach einem Hirten umsehen. Vielleicht gibt es ja einen Schutz, der nicht verschwindet. Andere Schafe werden sagen. Gab es nicht Zeiten, in denen es gar keinen Hirten gab? Sie werden gar nichts vermissen. Andere werden ungeduldig sein. Sie werden sich gegenseitig berichten von dem Hirten. Sie erzählen von seinen Taten. Hat er uns nicht immer gut betreut? Hatten wir es nicht besser mit ihm. Hat er uns nicht Orientierung gegeben. Und die Herde macht sich auf den Weg.
So stelle ich es mir vor. Die 99 machen sich auf den Weg ihn zu suchen. Zunächst werden sie viele andere verlorene Schafe auf ihrer Suche finden. Sie stellen fest, dass sie gemeinsam auf der Suche sind. Sie erinnern sich an die Zusage: Wenn ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, so will ich mich von euch finden lassen. (Jer 31,20). Und sie werden feststellen, dass Gott ihnen nahe ist, wo sie mit anderen Verlorenen auf dem Weg sind. Und wo sie miteinander teilen, was sie belastet und aufbaut, wo sie von ihrer Hoffnung sprechen, ist er schon mitten unter ihnen.
Wir als seine Gemeinde sollen auf die Suche gehen und wir werden ihn finden. Der Hirte ist denen nahe, die verloren sind. Und wer sich auf den Weg macht, wird von ihm sicher gefunden.

Jesus sagt im Gleichnis: Wenn der Hirte das Schaf gefunden hat  legt er es voll Freude auf seine Schultern. Wir kennen dieses Bild schon vom Kindergottesdienst. Der Hirte und das Schaf auf den Schultern. Mich rührt dieses Bild ungemein an. Sie gehören zusammen. Wenn ich den Hirten sehe, sehe ich das Schaf. Wenn ich das Schaf sehe, sehe ich den Hirten. Es erinnert mich daran. Wir können das eine nicht sehen ohne das andere. Wir können Gott nicht ohne das Verlorene erkennen oder erfahren. Jesus ist zugleich der gute Hirte – und das Lamm, das die Verlorenheit der Welt trägt. In ihm ist die Suche überwunden, der Abstand zwischen dem Verlorenen und dem Hirten. Er bringt das Verlorene nach Hause und alle feiern, dass da ein Friede ist, der höher ist als alle Vernunft. AMEN

 

aktuelle Termine

Bundestags- Wahl
24. September 2017 08:00'

Gottesdienst zur Calvin-Ausstellung
24. September 2017 10:30'

Ausstellung Calvin
24. September 2017 11:30'

Offenes Gemeindezentrum Ahlenberg
24. September 2017 14:30'

Ausstellung "Calvin, der europaeische Reformator"
26. September 2017 18:00'

Bibel- Gespraechskreis
26. September 2017 18:30'

Ausstellung "Calvin, der europaeische Reformator"
27. September 2017 18:00'

Ausstellung "Calvin, der europaeische Reformator"
28. September 2017 18:00'

Vortrag faellt leider aus!!! Martin Luther und Johannes Calvin
28. September 2017 19:00'

Gottesdienst im Altenzentrum
29. September 2017 10:00'

dorfkirchefoto1.jpg
© 2005 – 2017 Evangelische Kirche Ende