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1. Sam 16,7
Der Mensch sieht, was vor Augen ist,
Gott aber sieht das Herz an.
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Rede auf der Afghanistan-Demonstration in Witten am 9.9.2009 PDF Drucken E-Mail
Rede auf der Afghanistan-Demonstration auf dem Rathausplatz in Witten am 9.9.2009 auf Einladung des Wittener Friedensforums

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

beim Bombardement der Tanklaster nahe Kundus kamen selbst nach Nato-Angaben nicht nur Kämpfer der Taliban ums Leben, sondern auch eine hohe Zahl Zivilisten, darunter viele Kinder.

Frau Kanzlerin Merkel verbittet sich in ihrer gestrigen Regierungserklärung jegliche Kritik an dieser Aktion, sowohl aus dem Ausland als auch im Inland. Diese Haltung offenbart eine unerträgliche vordemokratische Denkweise. Nein, wir dokumentieren hier und heute, dass wir uns die Kritik an diesem Krieg nicht verbieten lassen! Wir dürfen und werden nicht zulassen, dass über eine das gesamte deutsche Volk, die politischen Parteien, aber gerade auch die Familien der dort stationierten, der bedrohten und der gefallenen Soldaten existentiell betreffende politische Frage der Mantel des Schweigens gehüllt wird. Es ist gerade angesichts unserer Geschichte für jeden Demokraten eine unerträgliche Entgleisung, dem eigenen Volk aufzuerlegen, dass es zur Frage von Krieg und Frieden schlicht schweigen soll.

Es war angeblich Ziel dieses Krieges, der in den vergangenen Jahren immer wieder humanitär verbrämt wurde, Demokratie und Menschenrechte nach Afghanistan zu bringen. Das wäre in der Tat ein nobles Anliegen, welches aber mit Waffengewalt und unter Inkaufnahme Tausender toter und verletzter Männer, Frauen und Kinder nicht erreicht werden kann. Menschenrechte und Demokratie können nur mit humanen Mitteln in ein Land und in eine Gesellschaft implantiert, aber niemals herbeigebombt werden.
Bei allem wolkigen Gerede um Menschenrechte darf nicht verschwiegen werden, dass die westliche Welt in Afghanistan handfeste wirtschaftliche Interessen verfolgt, für die Menschenrechte und Demokratie als Deckmantel herhalten müssen.
 
Die Bundeskanzlerin und der Bundesaußenminister haben implizit den Einsatz mit deutscher Bündnistreue begründet. Afghanistan ist kein Bündnisfall. Deshalb gibt es auch von der UNO kein Mandat, dort Krieg zu führen, sondern lediglich dafür, die Taliban zu stürzen und Osama bin Laden zu fangen. Davon ist heute keine Rede mehr. Der Krieg, der jetzt geführt wird, ist somit ein Verstoß gegen das Völkerrecht. Und er ist auch ein Verstoß gegen den ursprünglichen Beschluss des Bundestages. Außer den eigenen Interessen und außer Herrn Karsai wird in Afghanistan nichts und niemand mehr verteidigt.

Die Notwendigkeit, in Afghanistan zu bleiben und diesen Krieg weiterzuführen, wird heute mit Umständen begründet, die durch diesen Krieg erst geschaffen wurden. Nach der neuesten Interpretation des Verteidigungsministers gestern Abend musste der Angriff am vergangenen Freitag durchgeführt werden, um die deutschen Truppen zu schützen. Diese Aussage macht die inzwischen eingetretene Absurdität dieses Krieges erschreckend deutlich. Verheerende militärische Aktionen müssen aus reinen Selbstschutzgründen durchgeführt werden. Männer, Frauen und Kinder könnten folglich noch leben, wenn die Truppen gar nicht da gewesen wären. In dieser Konstellation kann die Lage nur weiter eskalieren. Politische, kulturelle und religiöse Feindschaft wird so gefördert und wird sich weiter verfestigen. In Wirklichkeit festigt man so die Position der Taliban.

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, der Einsatz in Afghanistan befindet sich in einer Sackgasse. Die Regierung hat beschlossen, dass deshalb das Tempo erhöht werden muss, was in einer Sackgasse erfahrungsgemäß ziemlich sinnlos ist. Die christliche Tradition bietet hier einen, den einzig gangbaren Ausweg: Umkehr. Es gilt, umzukehren, ganz praktisch von einem falschen Weg auf einen richtigen. Dieser Weg kann nur bedeuten, mit friedlichen Mitteln des Rechts und konstruktiven Ideen Afghanistan zu einer gerechten und demokratischen Zukunft zu verhelfen. Dazu bedarf es ziviler Mittel unter dem Dach der UNO und mitnichten militärischer unter dem Dach der NATO.

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, ich hatte dankenswerter Weise in den zurückliegenden Jahrzehnten oftmals Gelegenheit bei entsprechenden Anlässen hier zu sprechen. Wenn ich die eigenen Reden Revue passieren lasse, kann ich nur erschrecken, welche Eskalationsstufen die Frage von Krieg und Frieden scheinbar ungehindert genommen hat.
Ich hätte es nie für möglich gehalten, dass das deutsche Volk sich derart teilnahmslos Monat für Monat weitere Zinksärge mit gefallenen Soldaten anliefern lässt. Mit einer deutschen Flagge auf dem Sarg, einem Ehrenmal und dem Trompetenschall von „Ich hatt einen Kameraden“ ist diese immer neue Tragödie weder politisch noch moralisch bewältigt.
Was bedeutet es für die Kultur dieses Landes, wenn wir weiterhin hinnehmen, dass junge Männer ihr Leben lassen für einen Krieg, der so sinnlos geworden ist, und gleichzeitig immer in der Gefahr sind, auch Täter zu werden, die Frauen und Kinder sinnlos morden.

Wie und zu welcher Haltung erziehen wir unsere jungen Menschen, Kinder und Enkelkinder? Soll das wirklich die Selbstverständlichkeit des Krieges sein, die gewaltsame Lösung von Konflikten, die gewalttätige Durchsetzung eigener Interessen? Nein, wir sind in der Pflicht, den jungen Menschen andere Ideale und bessere Ideen zu vermitteln! Noch einmal: Es ist unsere Pflicht!

Die evangelische Kirche erinnert sich in diesem Jahr an die Theologische Erklärung von Barmen, ein Bekenntnis der Bekennenden Kirche aus der NS-Zeit. In der fünften These zum Verhältnis von Kirche und Staat heißt es, dass die Kirche den Staat an Recht, Gerechtigkeit und Frieden erinnert. Wir alle in der evangelischen Kirche und unseren Gemeinden haben jetzt den Staat zu erinnern, beharrlich und unüberhörbar zu erinnern angesichts dieses Krieges, des Unrechts und der Ungerechtigkeit. Und die Kirche hat ihre jungen Gemeindeglieder beharrlich auf die Möglichkeit, die Notwendigkeit der Kriegsdienstverweigerung hinzuweisen!
Wenn nicht jetzt, wann dann!

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit!

9.9.2009 – Dr. Horst Hoffmann, Pfarrer
 

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