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Ein Lob auf die Pause

Ein Lob auf die Pause!

Ich möchte mich stark machen für die Pause. Wissen Sie noch? Damals, als noch der Rhythmus von 45 Minuten die Zeiten unterbrachen, in denen wir auf dem Schulhof spielten? Fußball, fangen, Himmel und Hölle. Bis zum nächsten Klingeln waren wir einfach nur Kinder. Mit Freunden. Im Flow. Kaum Zeit für den Biss ins Pausenbrot.

Ich möchte mich stark machen für die Pause. Sie ist wie der Moment, der eintritt, wenn ein Tastendruck die nervige Musik bei schlechtem Empfang im Radio abschaltet. „Ah. Das tut gut!“ Es tut gut, wenn Stille mich umfängt. Die Nerven, eben noch zum Zerreißen gespannt, kommen zur Ruhe. Ich kann aufatmen. Die Pause ist so friedvoll, so barmherzig, so entspannend.

Ich möchte mich stark machen für die Pause. Schon die letzten Minuten vor Ende des Trainings sind wunderbar. Noch ein letzter Sprint. Ich gebe noch mal alles. Und dann! Der erste Schluck des kühlen Getränks ist der beste. Danach die Dusche. Der erste kalte Strahl im Nacken, das wohlige Erschauern im Körper, wenn die Anstrengung mit dem Wasser aus den Poren gespült wird. Was für ein Genuss!.

Tage, an denen wir nichts tun außer aufstehen, essen, schlafen, sind wahrhaftig das Paradies auf Erden. Vielleicht noch lesen, den Tag genießen, ein Käffchen trinken, ohne Stress, einfach nur Dasein. Energien erwachen wieder. Ich bekomme Lust auf neue Gedanken, komme wieder zu mir selbst. Ich lebe! Danke!

All das hat es schwer. Als ich letztens für eine Behandlung auf der Relaxliege lag – Rücken, sie wissen schon – hörte ich die Worte: „Machen Sie auch mal Pause?“ und ich lachte auf: „Pause? Wann denn?“ und zeitgleich schoben sich die oben genannten Genüsse durch meinen Geist. Ist mir alles klar! Und dennoch. Die Pause hat es schwer in meinem Leben. Ich denke selbstironisch: „Dann schon lieber ein verspannter Rücken, Herzrasen oder Ohrensausen. Pause! Pah!“

Mir geht ein Cartoon durch den Kopf. Zwischen zwei Bäumen eine Hängematte. Jemand liegt darin, der nicht zu erkennen ist. Er oder sie schnarcht. Darunter die Worte: und am 7. Tag ruhte Gott!“, eine Anspielung auf den Schöpfungsbericht. 6 Tage arbeitete Gott, am siebten: Pause. Genug geleistet. Lass gut sein. Reicht. Handy aus. Schüppe fallen lassen. Schlafen. Hängematte.

Finde ich schöner als 365/24/7 (365 Tage im Jahr, 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche). Doch ist es schwer auf Pausen im täglichen Hamsterrad zu achten. Zeit ist Geld. Mails erledigen sich nicht von selbst! Statistiken auch nicht. Und dann noch der Datenschutz! – !

Daher ist die Pause zu loben: Mach‘s wie Gott – mach Pause! Nicht nur im Urlaub! Das rate ich Ihnen – und – na ja – mir selbst. So schön ist „Rücken“ auch nicht!

Guido Hofmann, Pfarrer der Ev. Kirchengemeinde Ende

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