Was kann ich eigentlich glauben?

Was kann ich eigentlich glauben?

Was kann ich eigentlich glauben?

# Gemeindebrief Nr. 70

Was kann ich eigentlich glauben?

Allen Endern ist beim Titelbild dieses Gemeindebriefs sofort klar: Die Dorfkirche in Regenbogenfarben - das ist Fake! Doch wenn jemand die Dorfkirche gar nicht kennt? 

Mit Hilfe der Künstlichen Intelligenz (KI) lassen sich solche Bilder schnell und einfach erstellen. Doch damit verschwindet auch immer mehr das Vertrauen, dass „ein Bild immer die Wahrheit sagt“. 

Doch was ist eigentlich Wahrheit? In der Mathematik ist es einfach: „1 + 1 = 2“ ist eine wahre Aussage und „2 + 2 = 5“ eine falsche. In den Naturwissenschaften ist es mit der Wahrheit schon komplexer. Ausgangspunkt sind vermutete Zusammenhänge, wie z. B. „alle Tulpen sind weiß“. Ziel der wissenschaftlichen Forschung ist es nun, durch systematische Beobachtungen und Experimente diese Vermutung zu widerlegen oder weiter zu bestätigen. Findet sich eine andersfarbige Tulpe, so ist die Vermutung widerlegt und daher falsch. 

Voneinander unabhängige wissenschaftliche Bestätigungen machen die Vermutung hingegen belastbarer, hierzu gibt es den Begriff Evidenz. Eine hohe Evidenz kommt der Wahrheit dann sehr nahe. Eine hohe Evidenz gibt es z. B. inzwischen für die Vermutung, dass menschliche Aktivitäten wesentlich zu den zu beobachteten Klimaveränderungen beitragen. 

Sie ist in den umfangreichen Berichten des Weltklimarates eindrucksvoll begründet. 

Obwohl es unter Wissenschaftler:innen kaum noch Zweifel am menschengemachten Klimawandel gibt, wird im Internet teilweise das Gegenteil behauptet. Die KI nutzt diese Quellen und verstärkt so den Eindruck, es gäbe hier eine Kontroverse. Dies ist häufig mit der Aussage verbunden: „Ich glaube nicht an den menschengemachten Klimawandel“. 

Stehen denn (wissenschaftliche) Wahrheit und Glauben im Widerspruch? Die Klöster des Mittelalters waren die Geburtsorte der heutigen Universitäten und der modernen Wissenschaft. Die Suche nach wissenschaftlicher Evidenz war also mit dem Glauben an den Schöpfer eng verbunden. Allerdings wurden auch schon damals nicht alle begründeten Vermutungen („Die Erde dreht sich um die Sonne“) problemlos akzeptiert. Letztendlich arbeiten die Naturwissenschaften wie auch die Bibel mit Bildern. Ziel ist es die Welt und ihre komplexen Zusammenhänge immer besser zu verstehen. 

Gott ist hingegen - trotz aller Versuche - bis heute nicht beweisbar, der Glaube daran kann aber für mich persönlich eine wahre und gerechtfertigte Tatsache sein. Dazu steht im Johannesevangelium (8, 31 - 32) als Worte von Jesus: „Wenn ihr an meinen Worten festhaltet und das tut, was ich euch gesagt habe, dann seid ihr wirklich meine Jünger. Ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch befreien!“

Und diese Wahrheit ist in den nachfolgenden Versen beschrieben, es geht dabei um Auffassungen (Glaubensätze), wie z. B. „Wenn euch also der Sohn Gottes befreit, dann seid ihr wirklich frei.“ (Joh. 18, 36). Das lässt sich natürlich nicht wissenschaftlich beweisen, ist aber im Glauben persönlich erfahrbar. 

Rolf Packroff

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